Irgendwann war sie aus der Samstagsausgabe der großen Tageszeitung im Braunschweiger Land verschwunden: Die Übersicht mit Zeiten und Orten der nächsten Gottesdienste aller möglichen christlichen Gemeinden im Verteilungsgebiet. Sie zeigte immer auf einer knappen halben Zeitungsseite das vielfältige und bunte christliche Leben, das es noch gab. Das plötzliche Fehlen fand ich persönlich nicht so schlimm, da sich auf unbekannte Weise immer wieder Übermittlungsfehler eingeschlichen hatten. Außerdem haben viele Gemeinden Schaukästen, Homepages, Gemeindebriefe oder auch WhatsApp-Kanäle, mit deren Hilfe die interessierten Mitglieder informiert werden können.
Ende Mai verschwand nun auch, für viele plötzlich und unerwartet und nach langem und schwerem Leiden, das Wort zum Sonntag aus der Braunschweiger Zeitung. Viele Leserinnen und Leser vermissen es offenbar nicht, denn von kritischen Leserbriefen, kirchlichem Widerstand und Demos vor dem Redaktionsgebäude ist mir nichts bekannt geworden. Auch manche meiner geschätzten Kolleginnen und Kollegen fühlen eher Erleichterung statt Schmerz, wo es doch zusätzliche Arbeit machte, jetzt auch noch eine Andacht für die Zeitung schreiben zu müssen. Ich habe es immer als große Chance gesehen, niederschwellig, aber substanziell Glaubensthemen unter das lesende Volk zu bringen und bin dankbar für die Möglichkeiten, die kleine Gemeindezeitungen weiterhin bieten. Der Grund für die Weglassung, über die wir Schreiberinnen und Schreiber nur indirekt über den Dienstweg informiert wurden, waren übrigens produktionstechnische Prozesse im Zusammenspiel der Print- und der Onlineredaktion. Wahrscheinlich hat die Leserschaft des e-Papers (Onlineausgabe der Zeitung) einfach zu wenig auf das Wort zum Sonntag geklickt, so dass niedrige Klickzahlen zum Ableben wochenendlicher Erbauungsworte geführt haben. Das wäre dann für den schwächelnden Zeitungsverlag wirtschaftlich verständlich. Vielleicht sind die Erwartungen an eine große regionale Tageszeitung der zweitgrößten Stadt unseres Bundeslandes auch unterschiedlich. Wer schon einmal in anderen Gegenden Niedersachsens zur Tageszeitung gegriffen hat, wird wahrscheinlich nicht sagen können, dass die Braunschweiger Zeitung trotz dauerhaftem Selbstlob die Leserschaft umfassend politisch, wirtschaftlich und regional informiert. Auch wenn VW und die Eintracht den Menschen hier unfassbar wichtig sind, möchte sich niemand eine zweite Tageszeitung kaufen müssen, um umfassend informiert zu sein und über den regionalen Tellerrand hinauszublicken.
Aber zurück zum Thema der Überschrift: Kirchliche Themen verschwinden mehr und mehr aus dem Focus der Öffentlichkeit, der Glaube verdünnisiert sich zunehmend oder wird aktiv verdünnt und verliert für immer mehr Zeitgenossen scheinbar an Bedeutung. Dazu gehörte auch die sommerliche Diskussion um die Ladenöffnungszeiten am Sonntag. Das sei nicht mehr zeitgemäß, sagt man, und meint damit, dass biblische Werte und Gebote wie das der Feiertagsruhe- und heiligung nichts mehr gelten bzw. dem Kaufrausch und Wirtschaftswachstum geopfert werden müssten. Mein kühner Gegenvorschlag: Schließt sonntags die Onlineshops! Auf der Startseite steht dann: "Heute ist Sonntag! Gönn deiner Gier eine Pause und pflege deine Beziehungen!" Die Sonntagsruhe ist ein heilsames Angebot, die eigene Seele zu pflegen, zur Ruhe zu kommen, den Akku zu füllen, die Sinne zu schärfen, Zeit für andere und für seine eigene Spiritualität zu haben. Ein Türöffner dafür war samstags das Wort zum Sonntag. Das hat die große Zeitung jetzt gestrichen. Das kann man machen, wenn man Erbauung, Hoffnung, Inspiration und Kirche, die für all das uneingeschränkt stehen sollte, in heutiger Zeit nicht mehr für nötig hält. Gut finden muss man das als langjähriger Leser aber nicht.

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