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20.03.2026 Kategorie: Angedacht

Kirchenentzug

Überarbeitete Gedanken aus der diesjährigen Bürgerversammlung am 4. März 2026

Auf einer Versammlung wie dieser fragte ein Kollege von mir seinen Bürgermeister, was dem Ort fehlen würde, wenn es keine Kirchengemeinde mehr gäbe. Der Bürgermeister überlegte einen Moment und antwortete dann: Nichts! Die beiden versuchten, den Abend achtsam und mit gegenseitigem Respekt über die Runden zu bringen. Aber für die Kirchengemeinde war es ein Weckruf, der zu einer nachhaltigen Veränderung führte.

Was würde denn hier bei uns fehlen, wenn im Pfarrhaus das Licht ausgeht, die Kirche zur Kneipe wird und in keinem Kindergarten mehr religiöse Bildung geschieht? Was würde fehlen, wenn Kinder und Konfirmanden wie ihre Eltern nicht mehr wissen, warum sie Weihnachten, Ostern und Pfingsten feiern, wenn Kinder nicht mehr getauft und mit ihren Eltern gesegnet werden, wenn frisch verheirateten Paaren nicht mehr Gottes Segen zugesprochen wird, wenn in Lebenskrisen und an Gräbern nur von Vergangenheit und Gegenwart, aber nicht mehr von einer verheißungsvollen Zukunft gesprochen wird?

Was würde fehlen, wenn die Glocken stumm blieben und uns nicht mehr an das Heilige, Unverfügbare, Größere und Schönere erinnern würden? Was würde fehlen, wenn Heilige Orte wie die Weidenkirche verschwinden, wo Menschen rund um die Uhr durchatmen, aufatmen, zur Ruhe kommen und den eigenen Focus wiederfinden können? Was würde fehlen, wenn hier bei uns nicht mehr gebetet würde: Für unsere Mitbürger, Politiker, Vereine, für die Dorfgemeinschaft, für Weisheit und Frieden in unserem Land und auf der ganzen Welt, die Frieden und Gerechtigkeit so sehr nötig hat? Was würde fehlen, wenn sich hier bei uns nicht mehr Menschen um die Bibel versammeln, Gottes Wort lesen, sich von ihm zu mehr Liebe und Demut motivieren und inspirieren ließen? Was würde fehlen, wenn mit den Christen auch die Werte verschwinden, für die sie stehen; Werte, auf denen Europa und unser Land einmal gegründet waren: Menschenwürde, Gleichheit, Freiheit, Nächstenliebe, Mitgefühl für Arme und Schwache, Schutz von Kindern und Frauen. Was würde fehlen, wenn die Ewigkeit verschwindet und nur das Zeitliche bleibt, vom heaven nur sky übrigbleibt und große Werke geistlicher Musik und Kunst im kühlen Kulturkeller vermodern?

Wer sich mit seinem ganzen Leben nur auf das Zeitliche verlässt, ist irgendwann verlassen.

Denn für den ist der Tod der ultimative Endgegner, vor dem es kein Entrinnen gibt. Wer aber in diesem Leben schon mit Jesus lebt, wird es dann auch ewig tun.

Wie schafft es unsere Kirche nun, sich nicht weiter zu verzwergen, zu verniedlichen und selbst den Abstieg in die Bedeutungslosigkeit zu beschleunigen? Überlegt unsere Kirche nun in Zeiten einer fundamentalen Krise, wie sie mit Haupt- und allen Ehrenamtlichen das Evangelium von der grenzenlosen Gnade und Liebe unseres Gottes einladend weitersagt, authentisch vorlebt, überzeugend bezeugt? Tut sie also das, was Jesus gesagt hat, dass sie tun soll, oder fragt sie, wie sie die teuren Gebäude los wird, Finanzen mit schmerzhaften Sparmaßnahmen sichert und Personal sozialverträglich, aber konsequent abbaut? Leider Letzteres!

Ohne eine tiefgreifende geistliche Erneuerung bringen innovative Projekte wie Segen to go, Trauung to go oder ein All you can eat-Abendmahl wenig Tiefe mit. Trotz eines übers Knie gebrochenen Beteiligungsprozesses, trotz vieler und begründeter Bedenken vieler Haupt- und Ehrenamtlicher, trotz des warnenden Hinweises unserer katholischen Geschwister und trotz fehlender konkreter Umsetzungsplanung hat unsere Landessynode im November mit großer Mehrheit beschlossen, unsere Landeskirche strukturell grundlegend umzubauen.

In diesem Prozess wird alles dem zum absoluten Heiligtum erklärten Kirchenvorstandsbildungsgesetz untergeordnet. Nicht die Bibel ist die Norm kirchlichen Handelns, sondern ein Kirchengesetz. Und deshalb müssen bis 2030, dem Jahr der nächsten Kirchenvorstandswahl, aus 11 Propsteien 4 und aus ca. 300 Kirchengemeinden ca. 20 Regionalkirchengemeinden mit mindestens 10.000 oder eher 15-20.000 Mitgliedern entstehen. Aus der jetzigen Propstei Vechelde mit rund 18.000 Mitgliedern könnte eine Kirchengemeinde werden. Statt eines Kirchenvorstandes vor Ort wird es einen kirchlichen Ortsausschuss geben, für den man hoffentlich noch einen besseren Namen finden wird, der die kirchliche Arbeit vor Ort organisieren und verantworten soll.

Vieles liegt noch im Dunklen, Lösungen werden mit heißer Nadel gestrickt und ich hoffe und wünsche mir, dass es am Ende für alle wie beabsichtigt besser wird. Allein mir fehlt der Glaube. Manche Durchhalteparolen erinnern mich an Durchhalteparolen bei der Eintracht, die auch mal wieder mit ihrem Niedergang zu kämpfen hat.

Mein Tipp für alle, die sich über diese Strukturreform ärgern und das Gefühl haben, als würde auch in der Kirche von oben nach unten durchregiert: Lieber auftreten statt austreten! Sich weiter beteiligen und engagieren, frische Ideen von Orts- und Regionalkirchengemeinde entwickeln und probieren, kräftig für geistvolle Veränderungen beten, den Mut und die Hoffnung nicht verlieren und weiter mit Gottes Segen unterwegs sein.

Foto: Brigitte Werner / www.pixabay.com

Beitrag von Frank Wesemann