Früher gehörte es in einem christlichen Abendland wie unserem zum Allgemeinwissen, dass der Sonntag vor Ostern Palmsonntag heißt und mit ihm die Karwoche beginnt. Warum heißt der Palmsonntag eigentlich Palmsonntag? Da Palmen in den heimischen Gärten unserer Breiten eher nicht zu finden sind, liegt der Ursprung auf jeden Fall südlich und genauer südöstlich von uns. Im milden Mittelmeerklima von Jerusalem findet man Palmen wie bei uns Eichen. Der Palmsonntag erinnert die rund 2,6 Milliarden Christen weltweit und alle anderen an ein Ereignis vor rund 2000 Jahren. Ein Buch-Bestseller mit dem Titel "Die Bibel" berichtet davon. Es ist das am häufigsten gedruckte und in die meisten Sprachen übersetzte Buch der Welt. Im hinteren Drittel berichtet sie von einem Mann namens Jesus, der als Lehrer mit seinem Schülerkreis aus zwölf Männern auf Wanderschaft ging, anschaulich und begeisternd vom Reich Gottes erzählte, Menschen von fiesen Krankheiten heilte, manche Verstorbene ins Leben zurückholte und sich als König des jüdischen Volkes bezeichnete. Damit schuf er sich Freunde und Feinde. Die einen verbanden mit ihm die Hoffnung, dass er die Besetzung des Landes durch die Römer beenden und das Volk befreien könnte; die anderen mochten nicht, dass er Unruhe stiftete und behauptete, der Sohn des Gottes zu sein, an den die Mehrheit glaubte. Die einen vertrauten ihm ihr Leben an, die anderen lehnten ihn ab oder interessierten sich nicht für ihn. Alles ähnlich so wie heute. Damals aber zog dieser Jesus in Jerusalem ein wie ein König. Wie der heldenhafte König David einige Jahrhunderte früher saß Jesus auf einem Esel, so dass es alle wussten: Hier reitet der König aller Könige in die heilige Stadt ein. Da der rote Teppich damals noch nicht üblich war, legten die Leute als Zeichen der Verehrung Kleidungsstücke auf den Weg. Statt qualmender Pyros hielten sie abgeschnittene Palmzweige in der Hand und wedelten mit ihnen wie mit Fahnen durch die Luft. So feiern sie den einziehenden König. Statt Freiheit von den Römern brachte er den Sieg über den Tod und eine unkaputtbare Hoffnung für alle Menschen, die ihn in ihr Leben einziehen lassen. Vielleicht tun genau das schon einige von uns am Palmsonntag. Zwar ohne Palmen und Pyros in der Hand, aber mit einem offenem Herzen. Je früher, desto besser!

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